Nach dem Ersten Weltkrieg war Europa nicht mehr dasselbe. Berlin auch nicht. Aus der kaiserlichen Metropole wurde ein ruheloser Schmelztiegel der Moderne. Kino, Rundfunk, Neonreklamen, Tanzlokale, Cabarets, schnelle Züge. Alles wurde lauter, schneller, freier. Und vermutlich auch ein bisschen anstrengender, aber gut: Moderne eben.
Die alten Formen verschwanden nicht. Sie wurden nur anders getragen. Der Anzug blieb, die Krawatte blieb, die Schleife blieb. Aber sie standen nun nicht mehr nur für bürgerliche Ordnung, Hof, Haltung und sonntägliche Korrektheit. Sie wurden Teil einer neuen Selbstinszenierung. Weniger Pflicht, mehr Ausdruck.
KRONEN schaffte den Sprung in diese Zeit. Die Manufaktur blieb bei dem, was sie konnte: Krawatten, Binder und feine textile Accessoires. Nur bekam das Ganze plötzlich einen anderen Klang. Nicht mehr nur der Herr mit Hut und Gehstock, sondern auch die moderne Großstadt, das Tanzlokal, das Atelier, das Büro, die Nacht.
Und dann kam, erfreulicherweise, auch die Damenwelt dazu. Bubikopf, Herrenanzug, androgyne Silhouetten — auf einmal war die Krawatte nicht mehr nur männliche Förmlichkeit, sondern konnte auch Freiheit, Haltung und Emanzipation bedeuten. Ein Stück Seide, richtig gebunden, kann eben mehr, als man ihm auf den ersten Blick zutraut.
KRONEN blieb damit, was gute Marken selten verlieren: anschlussfähig an die Zeit, ohne den eigenen Kern aufzugeben.